Biblisch-theologische Impulse

Zu den folgenden vier Thesen könnte in Ihrem Presbyterium ein Gespräch über Apostelgeschichte 6,1-7 stattfinden.

Der Hintergrund von Apostelgeschichte 6,1-7 ist ein grundsätzlicher Konflikt in der Gemeinde zwischen Alteingesessenen und „griechisch sprechenden Juden“. Bei den sieben Personen, die gewählt werden, geht es nicht einfach um „Armenpfleger“, wie es in der Lutherbibel überschrieben ist. Vielleicht könnte man sagen, die sieben ausgesuchten Personen waren berufen, die Gemeinde in gemeinsamer Verantwortung mit den Aposteln zu leiten.

These 1

Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied. 1. Korintherbrief 12,27

Weil die Gemeinde werden soll, was sie bereits ist, nämlich Leib Christi, muss auch die Leitung der Gemeinde – das Presbyterium - die Vielfalt des Leibes Christi abbilden.

Dazu muss das Presbyterium aus Männern und Frauen, älteren und jüngeren, bewahrenden und erneuernden Mitgliedern bestehen. Wenn ein Presbyterium lange Zeit unverändert zusammenarbeitet, besteht die Gefahr, dass es das erneuernde Potenzial verliert und die Vielfalt der Gemeinde nicht mehr abbildet. Deshalb ist eine regelmäßige ausdrückliche Zustimmung durch Wahl sinnvoll.

These 2

Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Apostelgeschichte 6,3

. . . und sie wählten . . . Apostelgeschichte 6,5

Weil das Presbyterium die Leitung der Gemeinde wahrnimmt, ist es (nach geistlichen Kriterien) von der Gemeinde „auszusuchen“.

In jeder Gemeinde gibt es bei den Gemeindegliedern unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungen. (Apg 6,1-7 ist dafür ein gutes Beispiel.) Um der Unterschiedlichkeit geistlich verantwortlich gerecht zu werden, ist es nötig, die Gemeindeglieder an der Auswahl der Leitung zu beteiligen. Die bei uns allgemein akzeptierte Methode der Auswahl ist die Wahl aus mehreren Wahlmöglichkeiten. Deshalb ist es gut, wenn Presbyterinnen und Presbyter in echter Wahl gewählt werden.

These 3

Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie. Apostelgeschichte 6,6

Weil das Presbyterium geistliche Leitung wahrnimmt, ist es von Christus berufen. An Christus ist es in all seinen Entscheidungen gebunden.
Auch wenn die Presbyterinnen und Presbyter durch Wahl bestimmt werden, ist nicht die wählende Gemeinde Auftraggeber des Presbyteriums, sondern Jesus Christus selber. Diese Berufung findet ihren Ausdruck in der Einführung mit Handauflegung im Gottesdienst. Darum ist das Presbyterium in seinem Handeln und in seinen Entscheidungen dem Gemeindeaufbau nach dem Wort Gottes, nicht aber der Mehrheitsbeschaffung oder -erhaltung verpflichtet. Presbyterinnen und Presbyter sind keine Lobbyisten bestimmter Gemeindeteile oder -gruppen. Genauso wenig sind Synodale Lobbyisten von Gemeinden.

These 4

. . . erhob sich ein Murren . . . Apostelgeschichte 6,1
Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen. Apostelgeschichte 6,2
Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut. Apostelgeschichte 6,5

Damit das Presbyterium die Leitung der Gemeinde wahrnehmen kann, muss es in besonderer Weise Kommunikation und Transparenz fördern.

Presbyterinnen und Presbyter brauchen in dem Spannungsfeld zwischen Wahl und Berufung das Vertrauen der Gemeinde. Dieses Vertrauen muss immer wieder neu gewonnen werden. Dazu sind geeignete Formen der ständigen Kommunikation und Transparenz nötig. Das gewählte Presbyterium darf nicht im „Elfenbeinturm“ Entscheidungen fällen und umsetzen. Aber auch „die Gemeinde“ darf nicht erwarten, dass das berufene Presbyterium bloßes Ausführungsorgan jeweiliger Gemeindeinteressen sei. Das Presbyterium verdient Vertrauen als geistliche Leitung. Presbyterium und Gemeinde sind gemeinsam Leib Christi, keiner von beiden ist Haupt des anderen. Das Haupt ist Jesus Christus allein.

Alle Thesen, den biblischen Text und didaktische Hinweise finden Sie hier:

Thesen zur Kirchenwahl (pdf)

 
 
 
 
Thesen
 

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