Häufige Fragen zum Amt einer Presbyterin/eines Presbyters

Häufige Fragen zum Wahlverfahren

Wer leitet eine Kirchengemeinde?

Die Kirchengemeinde wird vom Presbyterium geleitet. Dies geschieht in gemeinsamer Verantwortung von Pfarrerinnen/Pfarrern und Presbyterinnen/Presbytern. Das Presbyterium wählt eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden aus seiner Mitte. Auch wenn Pfarrstelleninhaberinnen und -inhaber grundsätzlich dazu verpflichtet sind, den Vorsitz oder die Stellvertretung im Presbyterium zu übernehmen: auch Presbyterinnen und Presbyter können diese wichtige Aufgabe wahrnehmen. Das Presbyterium entsendet Abgeordnete in die Kreissynode, also das Leitungsgremium des Kirchenkreises, und wirkt so an der Leitung der Kirche mit.

Was macht ein Presbyterium?

Presbyterinnen und Presbyter leiten zusammen mit den Pfarrerinnen und Pfarrern die Kirchengemeinde. Das Presbyterium kümmert sich um alle personellen, finanziellen und baulichen Angelegenheiten der Gemeinde.

Konkret hat das Presbyterium folgende Aufgaben (Auswahl):

  • es wacht darüber, dass in der Gemeinde das Evangelium rein und lauter verkündigt wird und die Sakramente recht verwaltet werden
  • es wirkt bei der Pfarrwahl mit
  • es ist für die Konfirmanden-Arbeit verantwortlich
  • es beschließt über die Zulassung zum Heiligen Abendmahl
  • es legt die Zahl der Gottesdienst und deren Zeiten fest
  • es fördert die Kirchenmusik und den Gemeindegesang
  • es sorgt für die Sammlung und Weiterleitung der Kollekten
  • es kümmert sich um die Ausstattung der gottesdienstlichen Räume und die Pflege der kirchlichen Geräte
  • es unterstützt die Pfarrerinnen und Pfarrer bei den Hausbesuchen
  • es ist verantwortlich für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
  • es wahrt die kirchlichen Anliegen im Blick auf die Schulen
  • es hält Kontakt zu den Einrichtungen der Diakonie
  • es stellt die haupt- und nebenberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und übt die Dienstaufsicht aus
  • es beauftragt ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • es verwaltet das Vermögen der Kirchengemeinde
  • es vertritt die Kirchengemeinde im Rechtsverkehr

Wie lange dauert eine Amtszeit?

Die Amtszeit der Presbyterinnen und Presbyter beträgt vier Jahre. Eine Wiederwahl ist möglich. Spätestens mit der Vollendung des 75. Lebensjahres endet die Mitgliedschaft im Presbyterium. Presbyterinnen und Presbyter können vor Ablauf der Amtszeit ihr Amt niederlegen.

Wer kann Presbyterin und Presbyter werden?

Kandidatinnen und Kandidaten für das Presbyteramt müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Laut Presbyterwahlgesetz müssen sie zum heiligen Abendmahl zugelassen sein und zu den kirchlichen Abgaben beitragen, soweit die Verpflichtung hierzu besteht. Darüber hinaus dürfen sie die Gemeindegliedschaft nicht durch Kirchenaustritt verloren haben.

Personen, die bei einer Kirchengemeinde oder einem Kirchenkreis oder kirchlichen Verband, dem die Kirchengemeinde angehört, entgeltlich beschäftigt sind, können nicht Presbyterin oder Presbyter dieser Kirchengemeinde sein. Ausnahmen sind möglich.

Wer mit einem Mitglied des Presbyteriums verheiratet (analog hierzu auch in einer eheähnlichen Gemeinschaft oder eingetragenen Lebenspartnerschaft lebend), verschwistert, in gerader Linie verwandt oder im ersten Grade verschwägert ist, kann nicht Mitglied des Presbyteriums sein.

Wie läuft die Wahl ab?

Die Kirchenwahl gliedert sich grob in zwei Phasen: das Wahlvorschlagsverfahren und das eigentliche Wahlverfahren.

Das Wahlvorschlagsverfahren beginnt mit einer Gemeindeversammlung, in der die Gemeindeglieder über die anstehende Wahl informiert und zugleich aufgefordert werden, Wahlvorschläge einzureichen. Ein Wahlvorschlag muss schriftlich erfolgen und von mindestens fünf Gemeindegliedern unterschrieben sein. Das Presbyterium erstellt aus den eingegangenen Wahlvorschlägen einen "einheitlichen Wahlvorschlag", der der Gemeinde bekannt gegeben wird. Enthält er nicht mehr Vorschläge als Stellen zu besetzen sind, gelten die vorgeschlagenen Personen als gewählt.

Zu Beginn des eigentlichen Wahlverfahrens wird das Wahlverzeichnis für eine Woche öffentlich ausgelegt. In dieser Zeit haben alle Gemeindemitglieder die Möglichkeit zu prüfen, ob der eigene Name im Verzeichnis aufgelistet ist. Nur wer im Wahlverzeichnis steht, darf auch tatsächlich am Wahltag wählen.

Die Wahl findet im Anschluss an den Gottesdienst statt und ist geheim. Wählerinnen und Wähler müssen ihre Stimme persönlich abgeben. Briefwahl ist möglich. Ist die Wahlhandlung beendet, öffnet der Wahlvorstand die Urne und zählt öffentlich die Stimmen aus. Gewählt sind diejenigen Gemeindeglieder, die die meisten Stimmen erhalten haben. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los.

Das Presbyterium benachrichtigt unverzüglich die Gewählten und fordert sie auf, die Wahl per schriftlicher Erklärung anzunehmen. Haben die Gewählten die Wahl angenommen, wird der Gemeinde das Ergebnis mitgeteilt. Das Wahlverfahren endet mit der Einführung der neu gewählten Mitglieder des Presbyteriums im Gemeindegottesdienst.

Wie oft finden Presbyteriums-Sitzungen statt?

In der Regel findet einmal im Monat eine Presbyteriumssitzung statt. Darüber hinaus muss das Gremium einberufen werden, wenn ein Drittel seiner Mitglieder oder die Superintendentin/der Superintendent oder das Landeskirchenamt es verlangen.

Werden Auslagen erstattet?

Das Amt der Presbyterin und des Presbyters ist ein Ehrenamt, das unentgeltlich ausgeübt wird. Notwendige Auslagen und entgangener Arbeitslohn werden allerdings erstattet (siehe Kirchenordnung Artikel 37).

Häufige Fragen zum Wahlverfahren

Kann ich nur in meinem eigenen Wahlbezirk kandidieren?

Nein. Es sind auch bezirksübergreifende Kandidaturen möglich. Wohnen Sie z.B. im Wahlbezirk 1, dann können Sie von mindestens fünf wahlberechtigen Gemeindegliedern auch für eine Kandidatur in Wahlbezirk 2 vorgeschlagen werden.

Kann ich auch eine Kandidatin bzw. einen Kandidaten aus einem anderen Wahlbezirk in der Kirchengemeinde vorschlagen?

Ja. Unabhängig von den Wahlbezirksgrenzen sind „grenzübergreifende“ Wahlvorschläge möglich.

Kann die Gemeinde- bzw. Bezirksversammlung auch vorgezogen werden?

Ja, aber nur in Ausnahmefällen und auch nur nach vorheriger Rücksprache mit der Superintendentin bzw. dem Superintendenten. Im Falle einer Vorverlegung müssen auch die die beiden Abkündigungen an den vorausgehenden Sonntagen vorverlegt werden.

Kann die Gemeinde- bzw. Bezirksversammlung auch zu einem späteren als dem im Terminplan angegebenen Zeitfenster erfolgen?

Nein, ohne Ausnahme.

Müssen Bezirksversammlungen getrennt voneinander stattfinden?

Nein, nicht unbedingt. Es ist auch möglich, mehrere Bezirksversammlungen „unter einem Dach“ und zur gleichen Zeit stattfinden zu lassen. Es muss nur darauf geachtet werden, dass für alle Gemeindeglieder erkennbar ist, dass sie sich nicht auf einer Gemeindeversammlung der Kirchengemeinde sondern auf „ihrer“ Bezirksversammlung ihres Wahlbezirks befinden. Entsprechend müssen die Einladungen, Aushänge, die Versammlungsleitung und die Niederschriften formuliert sein. Beispiel: „Ich begrüße Sie auf den Bezirksversammlungen der Wahlbezirke eins, zwei und drei.“

Wie lange muss ich in der Kirchengemeinde wohnen, um mein aktives und passives Wahlrecht ausüben zu können?

Hier gibt es keine Fristen, so wie man es z.B. von einigen staatlichen Wahlen kennt.

Gibt es für die Öffnung der Wahllokale am Wahlsonntag ein vorgegebenes Zeitfenster?

Nein. Die Wahl findet im Anschluss an den Gottesdienst statt. Für die Dauer und das Ende der Wahlhandlung gibt es keine Vorgaben.

Müssen die Wahlverzeichnisse von Montag bis Sonntag ausliegen ?

Nein. Das Presbyterwahlgesetz schreibt zwar in § 19 Abs. 5 vor, dass das Wahlverzeichnis für eine Woche ausgelegt werden muss. Mit "eine Woche" ist aber nicht "an jedem Tag" von Montag bis Sonntag gemeint; vielmehr handelt es sich nur um ein Zeitfenster, in dem sich die "ortsüblichen Zeiten" (§ 19 Abs. 5 Satz 2) wiederfinden müssen.

 
 
 
 
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